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Keine Zivilisten zum Training der Streitkräfte!
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Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure
Keine Zivilisten zum Training der Streitkräfte!

Kein Kriegs-Casting !


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(28.02.2010) 
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Keine Zivilisten zum Training der Streitkräfte!

Redebeitrag auf der Aktion gegen Kriegs-Casting für das US-Militär

von Frank Bärmann

Werte Hotelgäste, während Sie jetzt vielleicht ihr Frühstück einnehmen oder sich noch den letzten Schlaf aus den Augen wischen, findet in diesem Hotel das Kriegs-Casting der Firma Optronic statt. Für US-Kriegsübungen wirbt die deutsche Firma Optronic GmbH & Co. KG Zivilisten. Die Firma Optronic hat ihren Unternehmenssitz in Königsbronn auf der Schwäbischen Alb und arbeitet im Auftrag der US-Army. Die US-Army setzt bei ihren Militärübungen Zivilisten als Statisten ein.

Mit Informations- und Bewerbungsveranstaltungen rekrutiert Optronic Zivilisten aus dem ganzen Bundesgebiet in 14 Größstädten für die kommenden Truppenübungen ab April. Ein weitgehend realistisches Training soll bei den Truppenübungen den Soldaten zur Vorbereitung ihres Auslandseinsatzes geboten werden. Das ganze läuft unter dem Label: Zivilisten auf dem Schlachtfeld bzw. Civilians On the Battlefield.

Wer hier mitmachen will, muss sich erst einer Sicherheitsprüfung durch den US-Auslandsgeheimdienst CIA unterziehen. Dann werden die Zivilisten in Bayern auf dem Truppenübungsgelände Hohenfels vor Beginn der Militärübungen zu Statisten geschult. Während die US-Soldaten den Häuserkampf und die Erstürmung von Wohnungen üben, spielen die dafür rekrutierten Zivilisten in ihren Statistenrollen Viehzüchter, Ladenbesitzer oder Bürgermeister eines Dorfes in Afghanistan und verhandeln als solche hin und wieder mit den anwesenden US-Streitkräften.

Während der Militärübungen sind die Statisten kaserniert und unterstehen der Kontrolle der Militärpolizei. Aus Sicherheitsgründen dürfen die Teilnehmer das Militärareal nicht verlassen und sind für die gesamte Zeit ihres Einsatzes nahezu von der Außenwelt abgeschnitten. Der Gebrauch eigener Mobiltelefone ist verboten. Der Tagesablauf ist entsprechend einem Kasernenleben streng geregelt: um 5 Uhr Aufstehen, um 6 Uhr Frühstück, um 7 Uhr Einsatzbeginn. Verpflegt werden die Zivilisten durch Feldküche oder durch Feldrationen.

Auch wenn während der Militärmanöver nur mit Platzpatronen geschossen wird, registrieren Infrarotdetektoren auf der Kleidung der Statisten die Treffer. Wer getroffen wurde, muss wie im echten Kriegsalltag zu Boden gehen und regungslos liegen bleiben.

Wer für die deutsche Firma Optronic GmbH & Co. KG arbeitet, arbeitet für die US-Army und macht sich damit zum Handlanger bei der Führung eines völkerrechtswidrigen Kriegs.

Wir protestieren gegen den menschenverachtenden Übungseinsatz von Statisten für Schießübungen kriegführender Soldaten. Krieg ist ein Verbrechen. Wir fordern die Direktion des Hotels Adina auf, die Kriegführung nicht mit solchen Rekrutierungsveranstaltungen zu unterstützen. Der Krieg im Irak und in Afghanistan wird von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Mit der heutigen Veranstaltung durch die Firma Optronic gefährden Sie, werte Hotelleitung, unwillkürlich das Image Ihres Hauses. Ihre Gäste werden für das Kriegs-Casting sicher kein Verständnis haben. Wir werden alles Erdenkliche tun, derartige Sachverhalte bekannt zu machen.

Noch ein Wort an das Anwerbeunternehmen Optronic: Wir betreiben unseren Protest sehr entschlossen und sind durch eine in Frankfurt spezifische Erfahrung ermutigt: Vor etwa 20 Jahren feierten die Aktionäre der sich ewig abwickelnden IG Farbenindustrie hier in der Innenstadt, im Frankfurter Hof, ihre Erfolge mit dem blutigen Kapital aus der Arbeit von Zwangsarbeitern und Häftlingen der Konzentrationslager in Auschwitz und aus dem Geschäft mit dem tödlichen Gas Zyklon B für die Gaskammern der Vernichtungslager. Anfangs haben die IG-Farben-Aktionäre sich über den Protest der ehemaligen Häftlinge, der Holocaust-Überlebenden und anderer Antifaschisten lustig gemacht. Doch die Protestaktionen gingen weiter und nach wenigen Jahren wendete sich die Situation: Kein Hotel in Frankfurt wollte mehr der einst mächtigen IG Farben Räumlichkeiten für deren Aktionärsversammlung zur Verfügung stellen. Diese Erfahrung ermutigt uns ungemein. Wir werden alles tun, Sie am Kriegsgeschäft zu hindern. Denn Krieg ist ein Verbrechen.


Frank Bärmann: Keine Zivilisten zum Training der Streitkräfte! Redebeitrag vor dem Hotel Adina in Frankfurt/M. am 28.02.2010



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