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Frauen im US-Militär
Connection e.V.
Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure
Frauen im US-Militär

Inhaltsverzeichnis

Die Broschüre ist vergriffen.


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Frauen im US-Militär

von Diana Price

Im August 2006 waren 202.248 Frauen im US-Militär, was 14,4% der Militärangehörigen entspricht. Es gab 141.922 Reservistinnen und 63.831 Frauen in der Nationalgarde. Diana Price von der Nationalen Organisation für Frauen schildert in folgendem Beitrag zahlreiche Fälle von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen im Militär. Es ist ein immer wiederkehrendes Thema, das auch aufzeigt, welche Folgen die Befehls- und Gehorsamsstrukturen des Militärs für die Soldatinnen selbst haben. (d. Red.)

Anfang Mai diesen Jahre beruhigte ein Mann im Irak seinen Nachbarn, dass seine junge Tochter vor US-Soldaten sicher sei. Die irakische Mutter wusste, dass US-Soldaten ihre Tochter belästigt hatten und fürchtete, dass sie in der Nacht zu ihrer Tochter zurückkehren würden. Ihr Nachbar sagte: „Solche Sachen würden die Amerikaner nie machen.“

Einige Tage später war das junge Mädchen vergewaltigt, erschossen und in Brand gesteckt worden, vier aus ihrer Familien wurden ermordet: vermutlich von US-Soldaten. Sechs Soldaten wurden angeklagt. Im September wird eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob vier von ihnen wegen Mord und Vergewaltigung angeklagt werden.

Kürzlich wurde bekannt, dass Frauen im US-Militär und nahestehenden Institutionen einem merklich höheren Risiko ausgesetzt sind, durch die anderen Soldaten sexuell angegriffen, belästigt und vergewaltigt zu werden.

Während das Verteidigungsministerium versprochen hat, scharf gegen Gewalt gegen Frauen in den bewaffneten Streitkräften vorzugehen, gibt es nur wenige und zögerliche Schritte. Überlebende von sexuellen Angriffen, ihre AnwältInnen und ihre UnterstützerInnen forderten wiederholt den Kongress auf, grundlegende Änderungen umzusetzen, die dafür sorgen, dass eine sichere und vertrauliche Meldung möglich ist, dass effektiv eingegriffen wird, eine umfassende Vorsorge gewährleistet ist und es ernsthafte Schritte des Verteidigungsministeriums gibt, über alle Fälle von Gewalt gegen Frauen in allen Teilen der bewaffneten Streitkräfte zu berichten, sie zu analysieren und die Täter zu bestrafen.

Beth Davis, eine ehemalige Kadettin der Akademie der US-Luftwaffe, forderte den Kongress vor zwei Monaten dazu auf, „die wachsende Flut von Ungerechtigkeit einzudämmen, wie auch die ungeklärten Wellen von Vergewaltigung und sexuellen Übergriffen, die durch unser Militär schwappen und weiter die Küste unserer Nation mit den ertrinkenden Körpern unserer persönlichen Freiheit überschwemmen.“ Davis beschrieb, dass sie als Kadettin im ersten Jahr vergewaltigt und sexuell angegriffen worden ist. Nachdem sie die Vorfälle schilderte, wurde sie bestraft und aus der Akademie entlassen. Sie spricht für Tausende von Überlebenden, die Gewalt wie sie selbst erlebt haben.

Sie muss die Zahl der Überlebenden schätzen, weil das Verteidigungsministerium bis jetzt noch nicht einmal die Zahl der in allen Bereichen der bewaffneten Streitkräften gemeldeten Vorfälle von Gewalt gegen Frauen zählt. Das Pentagon wurde 1988 dazu aufgerufen, ein umfassendes Berichtssystem dazu einzuführen. Bislang geben aber nur die Luftwaffe und die Armee Daten weiter.

Aus aktuellen Berichten wissen wir, dass Frauen bei den Rekrutierungen, in Akademien und den bewaffneten Streitkräften Opfer von Gewalt durch die Hände ihrer männlichen Gegenüber werden. Dieses Jahr wurde ein Anwerber der Nationalgarde wegen Übergriffen von sieben jungen Frauen angeklagt und in 31 Fällen von Vergewaltigung und sexuellen Tätlichkeiten verurteilt. Der Anwerber, Feldwebel Eric Vetsey, traf die meisten der vermuteten Opfer bei Rekrutierungen in Highschools in der Gegend von Indianapolis. Die jungen Frauen waren zwischen 16 und 20 Jahre alt. Die Fälle sind nicht untypisch: Die Journalistin Martha Mendoza von AP berichtete am 23. August 2006, dass „mehr als 100 junge Frauen, die Interesse daran geäußert hatten, zum Militär zu gehen, im letzten Jahr von den Anwerbern sexuell belästigt wurden.“

In einer Untersuchung, die im Frühjahr von The Citadel durchgeführt wurde, einer öffentlichen Militärschule in South Carolina, waren 20% der Schülerinnen seit Beginn ihrer Ausbildung sexuellen Übergriffen ausgesetzt. 63% von ihnen berichteten, dass sie die Vorgesetzten niemals darüber informiert hätten. Eine andere Untersuchung zu Militärakademien in den USA aus dem letzten Jahr zeigt, dass die Hälfte der Frauen und 11% der Männer, die auf die Umfrage geantwortet hatten, Erfahrungen mit irgendeiner Art von sexueller Belästigung seit ihrer Anmusterung hatten.

2004 wurde eine Sondereinheit zu Sexuellen Belästigungen und Gewalt an den Militärakademien eingerichtet. Der letzte im Juni 2005 veröffentlichte Bericht gibt viele Empfehlungen ab. Die Akademien sollen die Meldungen vertraulich behandeln, die von den Opfer abgegeben werden, um sie und ihre Anwälte zu schützen. Das Militärstrafgesetzbuch solle verbessert werden, um die Privatsphäre der Opfer und der Angeklagten zu schützen. Im Juni diesen Jahres führte der Abgeordnete Chris Shays ein Hearing durch, um zu untersuchen, ob die Akademien sich an die Empfehlungen der Sondereinheit halten. Vertreter der Akademien berichteten, dass Schritte bei der präventiven Erziehung der SchülerInnen und bei der Einrichtung von Rehabilitationszentren für die Opfer unternommen worden seien. Zivile Experten zur Gewalt gegen Frauen im Militär betonten die weiter bestehende Notwendigkeit einer vertrauensvollen Kommunikation zwischen Opfern und Anwälten.

Der Kongress hatte im Jahre 2005 eine Sondereinheit zu Sexuellen Belästigungen und Gewalt im Militär eingerichtet und damit anerkannt, dass die Gewalt gegen Frauen nicht nur auf die Akademien beschränkt ist. Bis heute, im Sommer 2006, hat das Verteidigungsministerium aber noch keine Mitglieder für die Sondereinheit benannt. Das wurde auf dem Hearing von anderen Abgeordneten beklagt.

Währenddessen zeigte ein Untersuchungsbericht des Militärs, dass es 2.374 Berichte über sexuelle Übergriffe im Militärdienst im Jahre 2005 gegeben habe. Die Miles-Stiftung, eine gemeinnützige Organisation, die sich mit zwischenmenschlicher Gewalt in den bewaffneten Streitkräften beschäftigt und Hilfe anbietet, erhielt über 500 Berichte über sexuelle Übergriffe gegen Soldatinnen im Irak, Kuwait, Afghanistan, Bahrain und Qatar.

Christine Hansen, Leiterin der Miles-Stiftung, erklärte im Hearing von Shays, dass es bis jetzt keine angemessene Prävention, Intervention, Behandlung und auch kein Rechtssystem für die Überlebenden der Gewalt im Militär gäbe. Das Verteidigungsministerium, erklärte sie, hat bis jetzt das Verhalten von Sexualtätern nicht analysiert oder das Militär darüber unterrichtet. Es wurden keine Protokolle entwickelt für die Anwendung des Militärstrafrechts, staatsanwaltliche Untersuchungen und die Gesundheitsfürsorge. Hansen bezog sich auch darauf, dass es eine neue Richtlinie des Verteidigungsministeriums gäbe, dass Überlebende die Möglichkeit hätten, ihre Meldung über sexuelle Übergriffe nicht über das übliche Verfahren im Militär abzugeben. Auf Einige, so wurde berichtet, wurde Druck ausgeübt, diese Einschränkung aufzuheben, was bedeute, dass ihre Meldung nicht vertraulich behandelt würde und ihnen Vergeltung durch andere Soldaten und Vorgesetzte drohe.

Suzanne Swift ist nur eine von einer unbekannten Zahl von Frauen im Militär, die im Dienst sexuelle Belästigungen, Übergriffe und Vergewaltigung erlebt haben, ohne Zuflucht zu finden. Sie kam 2003 mit 19 Jahren zum Militär und wollte Feldjägerin werden. Einen Monat nach ihrer Grundausbildung wurde sie in den Irak geschickt, wo sie von anderen Soldaten der Einheit sexuell belästigt und angegriffen wurde. Ihr wurde aufgetragen, über diese Vorfälle nicht zu berichten. Nach der Rückkehr aus dem Irak wurde sie von dem Führer ihrer Gruppe sexuell belästigt. Suzanne meldete dies, aber die einzig sichtbaren Konsequenzen waren Repressalien von anderen in ihrer Einheit und ihre Überstellung in eine andere Einheit. Acht Monate später erhielt sie den Befehl, im Januar 2006 erneut in den Irak zu gehen. Suzanne verließ unerlaubt die Armee und begann eine Behandlung wegen posttraumatischer Stresssyndrome (PTSD). Sie wurde am 11. Juni 2006 verhaftet und befindet sich seitdem in Haft, wo sie auf eine Entscheidung der Armee wartet. Ihre Mutter hat sich an die Spitze einer Kampagne gestellt, um eine ehrenhafte Entlassung ihrer Tochter zu erreichen. Nach der Miles-Stiftung gibt es weitere Frauen wie Suzanne, die nach sexuellen Übergriffen und Unerlaubter Abwesenheit in Behandlung gegangen sind.

Was geschah mit dem Führer der Gruppe von Suzannes Einheit, nachdem sie seine Belästigungen gemeldet hatte? Die Miles-Stiftung berichtet, dass die Antwort auf sexuelle Belästigungen und Übergriffe zumeist auf der Verwaltungsebene gegeben wird. Ein Artikel der Washington Post vom März 2006 erläutert, dass im Jahre 2005 gegen 274 Täter Strafaktionen eingeleitet wurden, bei insgesamt 1.474 Anklagen. In 104 Fällen habe es lediglich Verwaltungssanktionen oder Entlassungen gegeben. Nur 79 wurden vor ein Militärgericht gestellt, 91 erhielten Disziplinarstrafen. Bei 600 Anklagen wurde nichts unternommen, weil sie unbegründet seien oder mangels Beweisen. Etwa 100 Täter wurden nicht identifiziert.


Diana Price: Women’s Rights Violations Still Pervasive in U.S. Military. 29. August 2006. National Organization for Women. www.now.org. Auszüge. Übersetzung. Rudi Friedrich. Dieser Beitrag erschien in: Connection e.V. (Hrsg.): Broschüre "USA: Stimmen gegen den Krieg", Offenbach/M., Mai 2007, 40 Seiten A 4. Wir bedanken uns für die finanzielle Förderung durch die Bertha-von-Suttner Stiftung und das Pfarramt für Friedensarbeit der ev. Kirche Hessen-Nassau



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