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Türkei: Update zur Situation des Kriegsdienstverweigerers Inan Süver
Connection e.V.
Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure
Türkei: Update zur Situation des Kriegsdienstverweigerers Inan Süver

İnan Süver


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Türkei: Update zur Situation des Kriegsdienstverweigerers Inan Süver

von Solidaritätsinitiative Inan Süver

Die Türkei ist eines von drei Ländern des Europarates, das die Kriegsdienstverweigerung nicht anerkennt. Verweigerer werden im Gefängnis gefoltert oder zu einem Leben gezwungen, das einem „zivilen Tod“ gleicht. Trotzdem gibt es seit Jahren Verweigerer, die mit ihrer Entscheidung dem Militär die Basis für den Krieg entziehen. Sie rufen weiter: „Geht nicht ins Militär, vergießt nicht das Blut Eurer Brüder!“ Und sie organisieren Aktionen gegen Gewalt, gegen eine männerdominierte Welt und gegen Krieg und Militarismus.

Inan Süver ist einer von ihnen. Er sagt von sich selbst: „Ich wurde seit dem 23. Juli 2001 ständig und beharrlich dazu gezwungen, ein Soldat zu werden. Aber ich bin ein Vater von drei Kindern, ich bin ein Bauarbeiter, ich bin eine Person, die niemals das Huhn des Nachbarn weggescheucht oder die Katze weggelockt hat, ich wollte niemals einer Ameise etwas zuleide tun und habe immer die Schwachen und die Underdogs unterstützt (selbst im Fussball). Ich habe mich auch niemals um irgendwelche Regeln gekümmert oder die Regeln anderer akzeptiert. Ich bin eine Person, alleine geboren, die weiß, dass sie alleine begraben wird – und danach will ich leben. Deshalb kann und will ich nicht ins Militär gehen, für einen Krieg oder die sogenannte Kriegskunst.

Unter dem Krieg in der Türkei wurden 17.000 Menschen ermordet und die Mörder bleiben unerkannt. 4.000 Dörfer wurden in Brand gesteckt, Millionen verarmten und litten unter Hunger, weil sie ihre Dörfer verlassen und in die Städte ziehen mussten, wo 50.000 junge Menschen starben. Brüder wurden zu Feinden und wandten sich gegeneinander. Millionen junger Männer haben psychische Probleme und Tausende wurden in den Selbstmord getrieben. Und auch ich will nicht, dass junge Männer am Beginn ihres Lebens, noch Söhne ihrer Mütter, das machen müssen.“

Seit 2001 unterliegt Inan Süver einem Teufelskreis: Desertion – Verhaftung – Militärgefängnis – Einberufung – Verweigerung – und wieder Desertion. Er wurde in der Haft gefoltert. Als er einmal auf einer antimilitaristischen Website landete, erkannte er: „Obwohl ich es nicht wusste, bin ich doch seit Jahren ein Kriegsdienstverweigerer“. Kurz danach erklärte er öffentlich seine Kriegsdienstverweigerung. Aber das beendete nicht den Teufelskreis. Am 5. August 2010 wurde er zu Hause aufgrund eines Haftbefehls wegen Desertion festgenommen. Seitdem ist er im Gefängnis.

Eine Zeitlang wurde er in eine Zelle gesteckt, in der es Ratten gab und die Betten voller Blut waren, so schrieb er. Er berichtete seiner Frau: „Ich habe kein Verbrechen begangen, warum bin ich im Gefängnis?“ Am 21. April 2011 brach er aus dem Gefängnis aus. Als er am nächsten Tag wieder verhaftet wurde, begann er einen Hungerstreik. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes brach er diesen nach 23 Tagen ab. Er wurde ins Krankenhaus überstellt. Zwei Tage später, am 16. März, begann er trotzdem erneut einen Hungerstreik. Nachdem er aus dem Gefängnis ausgebrochen war, war er unverzüglich vom halboffenen in den geschlossenen Vollzug überstellt worden.

Nach den letzten Informationen wurde er am 23. Mai in Einzelhaft genommen. Die Bedingungen seiner Haft verschlechtern sich Tag für Tag. Wir sind sehr besorgt um sein Leben. Seine Gesundheit hat sich aufgrund der vorhergehenden Torturen und den Bedingungen des „zivilen Todes“ seit 2001 sehr verschlechtert.

Inan Süver war wegen dreimaliger Desertion vor 2007 zu 25 Monaten Haft verurteilt worden. Wegen seiner Desertion im Jahre 2007 ist das Verfahren noch anhängig. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er deswegen noch verurteilt werden wird. Es gibt auch noch ein Verfahren wegen Befehlsverweigerung und er hat noch ein Verfahren wegen seiner Flucht aus dem Gefängnis zu erwarten.

Unter solchen Bedingungen scheint es ein Traum zu sein, dass Inan Süver eines Tages frei sein wird. Wir glauben aber, dass alle dazu beitragen können, um seine Situation zu ändern. Wir bitten Euch um Eure Solidarität.


The Initiative for Solidarity with Inan Süver: „I haven’t committed any crime, so why am I in prison?”. 25. Mai 2011. Übersetzung: Rudi Friedrich. Quelle: http://inansuvereozgurluk.blogspot.com/2011/05/i-havent-commited-any-crime-so-why-am-i.html. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe Juni 2011.



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