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Israel: "Ich werde meine Kriegsdienstverweigerung erklären"
Connection e.V.
Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure
Tair Kaminer

Tair Kaminer


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Israel: "Ich werde meine Kriegsdienstverweigerung erklären"

von Tair Kaminer

Mein Name ist Tair Kaminer. Ich bin 19 Jahre alt. Ich habe gerade ein Freiwilligenjahr bei den Pfadfindern in Sderot abgeschlossen. Am 10. Januar 2016 werde ich mich im Rekrutierungsbüro in Tel Hashomer melden und meine Kriegsdienstverweigerung erklären. Ich werde auch erklären, dass ich bereit bin, einen alternativen Dienst abzuleisten.

 

Zu der Realität um mich herum sage ich: Es reicht!

Ich habe mich entschlossen den Dienst in der israelischen Armee zu verweigern. Seit Jahren gibt es keinerlei Bestrebung für einen Friedensprozess, keinen Versuch, Gaza und Sderot Frieden zu bringen. Solange der gewaltvolle militärische Weg gegangen wird, schaffen wir eine Generation voller Hass, womit die Situation nur eskalieren wird. Wir müssen dies jetzt stoppen!

Meine Verweigerung entspringt meiner Absicht, einen Beitrag für meine Gesellschaft zu leisten und sie zu verbessern. Ich bin bereit einen persönlichen Preis zu zahlen und ins Gefängnis zu gehen, als Ausdruck meiner klaren moralischen Position, dass ich nicht aktiv teilnehme an der Besatzung der palästinensischen Gebiete und der Ungerechtigkeit gegenüber dem palästinensischen Volk unter dieser Besatzung. Ich will nicht Teil des Kreislaufs des Hasses in Gaza und Sderot sein.

Bei Gesprächen mit FreundInnen wurde ich beschuldigt, die Demokratie zu beschädigen, weil ich staatliche Gesetze nicht befolge. Aber die PalästinenserInnen leben unter Militärrecht. Ist das Demokratie? Mir wurde gesagt, dass ich mich meiner Verantwortung für unsere Sicherheit entziehe. Aber ich kann dies Argument solange nicht akzeptieren, solange die Sicherheit nur für Juden und Jüdinnen Gültigkeit hat. Mit der letzten Welle des Terrors ist klar, dass das Militär noch nicht einmal Juden und Jüdinnen schützt, weil man keine begrenzte Sicherheit schaffen kann.

Solange wir weiterhin Millionen von Zivilpersonen unter Militärrecht stellen, wird sich Israel selbst von seiner demokratischen Verfasstheit abwenden. Wirkliche Sicherheit wird es nur geben, wenn das palästinensische Volk in Freiheit und Würde in einem unabhängigen Staat neben Israel leben kann. Deshalb stellt meine Verweigerung Demokratie und Sicherheit nicht in Frage, sondern ist vielmehr ein Teil des Kampfes für Demokratie und Sicherheit.

Es wird uns gesagt, es gäbe keinen anderen Weg, als den der militärischen Gewalt. Ich bin davon überzeugt, dass dies der zerstörerischste Weg ist und dass es sehr wohl andere gibt. Ich möchte uns alle daran erinnern, dass es Alternativen gibt: Verhandlungen, Frieden, Optimismus, den wirklichen Willen gleichberechtigt, sicher und in Freiheit zu leben. Uns wird gesagt, dass das Militär nicht politisch ist, aber es ist eine politische Entscheidung mit großer Bedeutung, im Militär Dienst zu leisten, wie auch die Verweigerung eine politische Entscheidung ist.

Wir, junge Menschen, müssen die Bedeutung dieser Entscheidung in der ganzen Dimension erfassen. Wir müssen die damit verbundenen Konsequenzen für unsere Gesellschaft begreifen. Nachdem ich das getan habe, entschied ich mich, zu verweigern. Das Militärgefängnis macht mir weit weniger Angst, als die Sorge, dass unsere Gesellschaft die Menschlichkeit verliert. Ich möchte nichts tun, was ich nicht unterstütze. Ich möchte nicht erst im Nachhinein das "Schweigen brechen". Ich verweigere und auch Ihr solltet darüber nachdenken.


Tair Kaminer: "I decided to refuse the Israeli military", 9. Januar 2016. Übersetzung: rf. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe Februar 2016.



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