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Dringlicher Aufruf von Menschenrechtsorganisationen aus der Türkei
Connection e.V.
Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure
Dringlicher Aufruf von Menschenrechtsorganisationen aus der Türkei

Türkei


Zum Weiterlesen

(02.06.2017) 
Connection e.V.: Türkei: Zunehmend Strafverfahren gegen Kriegsdienstverweigerer - Solidaritätsaktion in Izmir
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Rudi Friedrich: Türkei: Ein Reisebericht aus Diyarbakır, Cizre, Şırnak und İzmir
(23.03.2017) 
bianet: Türkei: Kriegsdienstverweigerer Onur Erden zu Haftstrafe verurteilt
(23.03.2017) 
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(20.02.2017) 
Verein für Kriegsdienstverweigerung (VR-DER): Stellungnahme zur Kriegsdienstverweigerung an das UN-Menschenrechtskomitee
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Vicdani Ret Derneği: Türkei: Lasst uns die Spirale der Gewalt und die militaristischen Zumutungen verweigern
(16.07.2016) 
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(14.06.2016) 
Coşkun Üsterci: "Schwere Menschenrechtsverletzungen im Südosten der Türkei"
(12.06.2016) 
War Resisters: Türkei: Ziviler Widerstand und Gewaltfreiheit
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(19.03.2016) 
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(19.03.2016) 
Andreas Speck und Hülya Üçpınar: Erneuerter Krieg in den kurdischen Regionen der Türkei - Teil II - Fußnoten zum Beitrag
(30.01.2016) 
Connection e.V.: Türkei: Kriegsdienstverweigerung aktuell
(10.01.2016) 
AkademikerInnen für den Frieden: Internationaler Appell zu kriegsartigen Zuständen in der Türkei
(06.01.2016) 
Urgent Call from Turkey’s Human Rights Organizations - To the international community
(06.01.2016) 
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(06.01.2016) 
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(16.09.2015) 
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Vicdani Ret Derneği: Nachruf auf zwei KriegsdienstverweigerInnen - Polen Ünlü und Alper Sapan wurden beim Massaker in Suruç ermordet
(23.10.2014) 
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(27.05.2014) 
Verein für Kriegsdienstverweigerung (VR-DER): Türkei: Treffen mit Berichterstatterin der Parlamentarischen Versammlung des Europarates - VR-DER legt Berichte zur Situation der Kriegsdienstverweigerer vor
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(01.11.2013) 
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(31.10.2013) 
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(23.10.2013) 
Sabah: Türkei: 750.000 Wehrflüchtige im Visier
(13.09.2013) 
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(01.09.2013) 
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(18.05.2013) 
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(19.03.2013) 
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(06.03.2013) 
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(06.03.2013) 
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(16.02.2013) 
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(09.01.2013) 
Gürsel Yildirim: Freikaufsregelung – Ein Milliardengeschäft für die Türkei
(10.12.2012) 
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(28.11.2012) 
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(28.11.2012) 
European Bureau for Conscientious Objection (EBCO): Turkish Protestant pastor declares his conscientious objection to military service - EBCO calls Turkey to implement without delay its human right obligations for conscientious objectors
(12.11.2012) 
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(12.11.2012) 
Kerem Koç: “I hereby declare my conscientious objection“ - Letter to the Turkish military authorities
(05.11.2012) 
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Halil Savda: Ich laufe für den Frieden von Roboskî nach Ankara!
(17.07.2012) 
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: EGMR zur Türkei: Entscheidung zugunsten des Kriegsdienstverweigerers Mehmet Tarhan
(17.07.2012) 
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(27.06.2012) 
Todays Zaman: Turkey says working to address conscientious objection
(27.06.2012) 
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(15.06.2012) 
Connection e.V.: Bewegungsstiftung fördert Arbeit zur Kriegsdienstverweigerung in der Türkei - Erneute Verurteilung der Türkei durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
(12.06.2012) 
European Court of Human Rights: ECHR to Turkey: Refusal to grant conscientious objector status is not necessary in a democratic society
(12.06.2012) 
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: Türkei: Verfolgung der Kriegsdienstverweigerung widerspricht demokratischer Gesellschaft
(06.06.2012) 
Committee of Ministers of Council of Europe: Decision to the case of Osman Murat Ülke
(06.06.2012) 
Ministerausschuss des Europarates: Beschluss zum Fall Osman Murat Ülke
(14.05.2012) 
Halil Savda: Turkey: Conscientious objector’s day - Security or freedom?
(14.05.2012) 
Halil Savda: Türkei: Tag der Kriegsdienstverweigerung - Sicherheit oder Freiheit?
(10.05.2012) 
Kriegsdienstverweigerung in der Türkei - Kurzbeschreibung und Inhalt der Broschüre
(09.05.2012) 
Plattform 15. Mai: Türkei/Istanbul: Aktivitäten zum 15. Mai: Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung
(09.05.2012) 
Rudi Friedrich: Vorwort zur Broschüre "Kriegsdienstverweigerung in der Türkei"
(21.04.2012) 
Interview mit Hülya Üçpınar: „Die Regierung ist verpflichtet, die Kriegsdienstverweigerung anzuerkennen“
(18.04.2012) 
Connection e.V.: Türkischer Kriegsdienstverweigerer Halil Savda aus Haft entlassen
(10.04.2012) 
Hürriyet Daily News: Türkei: “Verfassung sollte die Kriegsdienstverweigerung beinhalten“
(02.03.2012) 
Connection e.V.: Türkei: Internationales Treffen zur Kriegsdienstverweigerung macht mobil - Protest gegen Inhaftierung von Halil Savda
(27.02.2012) 
Aktive der Kriegsdienstverweigerungsbewegung in der Türkei: Türkei: Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung muss anerkannt werden!
(01.02.2012) 
Spagat mit offenem Ausgang - Kriegsdienstverweigerung in der Türkei und der Machtkampf zwischen Regierung und Armee - Link zur gwr-Redaktion
(17.01.2012) 
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: Anerkennung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung - Verletzungen der Artikel, 3, 6 und 9 der der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK)
(09.12.2011) 
Türken können sich vom Wehrdienst freikaufen - Link zur Frankfurter Rundschau: Neues zur Freikaufsregelung, Militärdienstentziehung und Kriegsdienstverweigerung
(23.11.2011) 
Işıl Cinmen: Türkei: Wegweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte zur Kriegsdienstverweigerung
(22.11.2011) 
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: Das Fehlen einer Alternative zum Militärdienst in der Türkei verletzt das Recht auf Kriegsdienstverweigerung
(22.11.2011) 
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: Das Fehlen einer Alternative zum Militärdienst in der Türkei verletzt das Recht auf Kriegsdienstverweigerung - Urteil vom 22. November 2011 - Erçep gegen Türkei
(20.11.2011) 
Hürriyet Daily News: Türkei: Kriegsdienstverweigerung steht “nicht auf unserer Tagesordnung”
(15.11.2011) 
Today‘s Zaman: Türkei könnte die Kriegsdienstverweigerung entkriminalisieren
(28.10.2011) 
Bia News Center: Türkei: Haftstrafe von İnan Süver wird möglicherweise reduziert
(20.05.2011) 
Doğan Haber Ajansı: Türkische Staatsbürger im Ausland können Reisepass ohne Nachweis zum Militärdienst beantragen
(19.05.2011) 
Hürriyet: Türkei: Beim elektronischen Pass wird kein Nachweis zum Militärdienst mehr verlangt
(08.03.2011) 
Connection e.V.: Türkei: Die Verfolgung der Kriegsdienstverweigerer geht weiter - Inan Süvers Verhandlung vertagt – Halil Savda rechtskräftig verurteilt
(04.03.2011) 
Halil Savda, Türkei: Es ist kein Verbrechen, zu sagen: ‚Tötet nicht!‘ - Kolumne zur Verurteilung wegen ’Distanzierung des Volkes vom Militär’
(21.02.2011) 
Connection e.V.: Turkey: Conscientious Objector Inan Süver Threatened with more Imprisonment - Please send letter of protest
(17.02.2011) 
Connection e.V.: Türkei: Kriegsdienstverweigerer Inan Süver droht weitere Haftstrafe - Bitte um Protest- und Unterstützungsschreiben
(28.11.2010) 
Türkei: 40 Jugendliche machen von ihrem Recht auf Gewissensfreiheit Gebrauch
(27.09.2010) 
"...aber hat nicht gedient" Junge Menschen verweigern den Krieg - Inhalt DVD und Booklet
(08.09.2010) 
War Resisters‘ International: Türkei: Kriegsdienstverweigerer İnan Süver - Aufruf zu Unterstützungs- und Protestschreiben
(03.09.2010) 
War Resisters’ International: Turkey: Conscientious objector İnan Süver - Call to write solidarity and protest letters
(10.08.2010) 
Fırat News Agency: Türkei: Kriegsdienstverweigerer Süver nach Izmir überstellt
(06.08.2010) 
War Resisters: Turkey: Conscientious objector İnan Süver arrested - Call for protest letters
(06.08.2010) 
War Resisters‘ International: Türkei: Kriegsdienstverweigerer Inan Süver inhaftiert - Aufruf zu Protestschreiben
(21.06.2010) 
Amnesty International: Türkei: Urteil gegen friedlichen Protest wegen “Distanzierung des Volkes vom Militär”
(21.06.2010) 
Amnesty International: Turkey: Peaceful protesters convicted for ’Alienating the public from military service’
(10.02.2010) 
Griechenland: Türkischer Kriegsdienstverweigerer sollte nach Festnahme abgeschoben werden
(10.10.2009) 
Inan Süver: „Ich mache vom Recht auf Kriegsdienstverweigerung Gebrauch“ - An die Militärbehörden in Van, Türkei
(24.01.2006) 
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: Türkei: Osman Murat Ülke wird Entschädigung zugesprochen - Pressemitteilung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte

Dringlicher Aufruf von Menschenrechtsorganisationen aus der Türkei

An die internationale Gemeinschaft

Mit der Aussetzung der Friedensgespräche begann die Regierung der Türkei Mitte August eine Sicherheitspolitik in Kraft zu setzen, die unrechtmäßig grundlegende Rechte und Freiheiten in den Städten beschneidet, die vorwiegend von KurdInnen bewohnt sind.

Seit August 2015 wurden langfristig und wiederholt Ausgangssperren über die Provinzen und die dazugehörigen Städte von Şırnak, Mardin, Diyarbakır, Hakkari und Muş verhängt. In bestimmten Städten und Ortschaften bestehen sie weiter fort. Während der Ausgangssperren wurde den nationalen wie internationalen Medien, Menschenrechts- wie Berufsorganisationen und auch ParlamentarierInnen, die Rechtsverletzungen feststellen wollten, der Zugang zu diesen Städten und Ortschaften verwehrt. Nach Berichten einer kleinen Zahl von Organisationen der Zivilgesellschaft, die trotz großer Hindernisse in das Gebiet reisen konnten, wurde festgestellt, dass die Zivilbevölkerung zum Ziel sowohl von Scharfschützen wie auch von schweren Waffen geworden ist, die in willkürlicher Art und Weise eingesetzt wurden.

Nach Berichten von Menschenrechtsorganisationen sind 1,3 Million Menschen von den Ausgangssperren betroffen; mehr als 120 Zivilpersonen - unter ihnen Kinder und ältere Menschen, haben ihr Leben verloren.[1] Viele Menschen wurden verletzt, Hunderttausende vertrieben. Es gibt willkürliche Festnahmen und Haft, und Zivilpersonen sind in den Haftzentren und unter freiem Himmel Folter und Misshandlungen unterworfen. Störungen des Telefonnetzes schränken das Recht auf Information und freie Kommunikation ein. Aufgrund einer Amtsverfügung, mit der LehrerInnen aus der Region weg versetzt wurden, wurde der Schulunterricht auf unbestimmte Zeit unterbrochen.. Ebenso wurden die Gesundheitsdienste eingestellt. Auf keine Art und Weise wird Sorge um den Schutz von ZivilistInnen gezeigt, und die Menschen haben noch nicht einmal die Möglichkeit, sich die minimalen täglichen Grundbedürfnisse wie das Recht auf Essen und Wasser zu erfüllen. Nach Ende der Ausgangssperren wurden keine unverzüglichen und sichtbar effektiven Ermittlungen durchgeführt. Strafverfahren und Bestrafung derjenigen Sicherheitskräfte, die Recht verletzt haben, sind damit nahezu unmöglich. Die Politik der Straflosigkeit wird fortgeführt und ausgeweitet und damit immer massiver.

Obwohl die Ausgangssperren mit Verweis auf Artikel 11/C des Provinzverwaltungsgesetzes mit der Rechtfertigung erklärt wurden, "Angehörige der terroristischen Organisationen festzunehmen" und "die körperliche Unversehrtheit der Bevölkerung und ihres Eigentums sicherzustellen", sind sich die Juristen weitgehend einig darüber, dass das genannte Gesetz den zuständigen Gouverneur nicht berechtigt, ein Verbot zu verhängen, das die Rechte und Freiheiten der ganzen Bevölkerung der Stadt oder Ortschaft derartig einschränkt. Nach Artikel 13 der Verfassung kann solch eine Einschränkung nur durch "Gesetz" ausgesprochen werden. Die Erklärung einer Ausgangssperre durch Anweisung des Gouverneurs ist verfassungswidrig. Die Tatsache, dass die Maßnahmen der Ausgangssperren und die damit verbundenen Sanktionen ohne Rechtsgrundlage bestehen, bedeutet auch, dass die Sicherheitseinsätze und die Rechtsverletzungen in dieser Zeit keiner rechtlichen Überprüfung unterliegen.

Im Gegensatz zu Kriegszeiten ist es Sicherheitskräften in bewohnten Gebieten, für die kein Notstand oder Kriegsrecht erklärt wurde, aufgrund der Verletzung des Prinzips, nur absolut notwendige Maßnahmen umzusetzen, nicht gestattet, schwere Waffen und Munition zu benutzen, ohne zuvor die Evakuierung der zivilen Bevölkerung sicherzustellen. Bei Planung, Durchführung und Kontrolle von Einsätzen, die angeblich dem Schutz der Zivilbevölkerung vor unrechtmäßiger Gewalt dienen sollen, ist nicht zu akzeptieren, wenn willkürliche und unangemessene Gewalt angewandt wird, die sich nicht in Übereinstimmung mit der Sorgfaltspflicht eines Staates in einer demokratischen Gesellschaft befindet. Die todbringende Gewalt, die gegenwärtig in den obengenannten Provinzen und Bezirken von der Regierung der Türkei angewandt wird, stellt eine grobe Verletzung des Prinzips der Verhältnismäßigkeit dar zwischen dem beabsichtigten Ziel und der Gewalt, die für diese Ziele in einer demokratischen Gesellschaft benutzt wird.

Das in dieser Auseinandersetzung entstehende Umfeld macht MenschenrechtsverteidigerInnen zu Zielen staatlicher Gewalt und politisch motivierter Ermordung. So wurde der Präsident der Rechtsanwaltskammer Diyarbakır und Menschenrechtsverteidiger Tahir Elçi während der Verlesung einer Presseerklärung ermordet. Er hatte darin dazu aufgerufen, die Sicherheitseinsätze zu beenden und zu Friedensverhandlungen zurückzukehren.

 

Die Situation ist entsetzlich und unser Aufruf ist dringlich!

 

Als Organisationen der Zivilgesellschaft fordern wir die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Regierung der Türkei daran zu erinnern, dass:

  • die Verhängung von Ausgangssperren ohne rechtliche Grundlage inakzeptabel ist;
  • todbringende Gewalt unter keinen Umständen in unverhältnismäßiger und willkürlicher Art und Weise angewandt werden darf;
  • bei Sicherheitseinsätzen Verpflichtungen der internationalen Menschenrechtsgesetzgebung, des internationalen Strafrechts wie auch des internationalen humanitären Rechts nicht aufgehoben werden können;
  • Menschenrechts- und Berufsorganisationen, VertreterInnen der lokalen Regierung und des Parlaments, die sich für die Feststellung, Beendigung und Strafverfolgung von Rechtsverletzungen einsetzen und dies gegenüber der internationalen Gemeinschaft vollständig transparent machen, unterstützt werden müssen;
  • Wir rufen zu einem beiderseitigem Waffenstillstand auf, der Einstellung der Auseinandersetzungen und der Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen, die unter Teilnahme von unabhängigen BeobachterInnen in offizieller und transparenter Art und Weise geführt werden sollten.

--

Mitgliedsorganisationen der Koalition gegen Straflosigkeit

Batman Bar Association, Diyarbakır Bar Association, Helsinki Citizens’ Assembly – Turkey, Human Rights Agenda Association, Human Rights Association, Human Rights Foundation of Turkey, Şırnak Bar Association, Truth, Justice and Memory Center

 


[1] Aktuelle Zahlen zur Verletzung des Rechts auf Leben aufgrund der Ausgangssperren nach verschiedenen Quellen: Nach Zahl des Dokumentationszentrums der Menschenrechtsstiftung haben mit Stand vom 6. Januar 2016 mindestens 151 ZivilistInnen während des Zeitraums der Ausgangssperren in 17 Städten und 7 Bezirken ihr Leben verloren. Nach Angaben der Dokumentationsstelle des Menschenrechtsvereins haben seit Beginn des bewaffneten Konflikts, dem 24. Juli 2015, bis zum 6. Januar 2016, in den Städten, über die Ausgangssperren verhängt wurden, 134 Zivilpersonen ihr Leben verloren. Im Jahr 2016 verloren während der Ausgangssperren in Sur, Cizre und Silopi 12 Personen ihr Leben. Das Informationszentrum der Demokratischen Partei des Volkes, das ebenfalls täglich über die Verletzung des Rechts auf Leben berichtet, stellte fest, dass bis zum 6. Januar 2016 152 Personen ihr Leben verloren haben.


Urgent call from Turkey's Human Rights Orgaizations to the international community, 6. Januar 2016, Übersetzung: rf, cs



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