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Bosnien-Herzegowina: "Die Wehrpflicht wird abgeschafft"
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Bosnien-Herzegowina: "Die Wehrpflicht wird abgeschafft"

Interview mit Darko Brkan

Darko Brkan ist aktiv in der Kampanja za Prigovor Savjesti u Bosni i Hercegovini (Kriegsdienstverweigerungskampagne Bosnien & Herzegowina). Wir führten mit ihm Ende November 2005 ein Interview zur aktuellen Situation der Kriegsdienstverweigerer in Bosnien & Herzegowina. (d. Red.)

Wir haben gehört, dass in Bosnien & Herzegowina die Wehrpflicht abgeschafft werden soll. Steht das schon fest?

Darko Brkan: Die Situation ist folgende: Die Präsidentschaft hat die Entscheidung getroffen, nach der die Wehrpflicht bis zu einer endgültigen parlamentarischen Entscheidung ausgesetzt wird. Hier müssen nämlich sechs Parlamente die Entscheidung bestätigen. Einige haben dies bereits getan. Eine endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus. Inzwischen finden aber keine Rekrutierungen zur Armee mehr statt.

Es gibt ja in beiden Teilrepubliken Regelungen zur Kriegsdienstverweigerung. Wie sieht das bei einer Berufsarmee aus?

Darko Brkan: Im Augenblick gibt es keine gesetzlichen Vorschriften für Kriegsdienstverweigerer in einer Freiwilligenarmee. Wir wollen dies für das noch zu verabschiedende Kriegsdienstverweigerungsgesetz einbringen.

Wie viele Kriegsdienstverweigerer gab es in den letzten Jahren?

Darko Brkan: Von 2002 bis heute gab es etwa 3.200 Kriegsdienstverweigerer. Letztes Jahr waren es durchschnittlich 100-150 pro Monat.

Beziehen sich diese Zahlen nur auf die Teilrepublik Bosnien & Herzegowina, oder auf den gesamten Staat?

Darko Brkan: Das ist die Gesamtzahl. Im serbischen Teil gab es aber nur wenige Kriegsdienstverweigerer, da es dort keine gesetzliche Regelung zur Kriegsdienstverweigerung gibt.

Aber die Wehrpflicht wird in allen Teilen des Landes abgeschafft?

Darko Brkan: Ja, es ist ein Staatsgesetz.

Was war der Grund für die Abschaffung der Wehrpflicht?

Darko Brkan: Hintergrund ist eine grundsätzliche politische Entscheidung. Die serbische Regierung wollte ihre Armee nicht einer gemeinsamen Armeeführung unterstellen. Daher kam es zu dem Kompromiss, eine Berufsarmee aufzustellen.

Denkst Du, dass sich damit die Situation verbessert?

Darko Brkan: Ja, für die Versöhnung ist es besser. Bis jetzt wurden in Bosnien & Herzegowina junge Leute auf serbische, kroatische und bosnische Kasernen aufgeteilt. In den Kasernen wurde der jeweils eigene Nationalismus und Fremdenhass geschürt. Das wird sich mit einer Berufsarmee ändern. Deswegen halte ich das für besser.

Zudem: Der Zivildienst war keine Optimallösung, da er im Grunde ein Zwangsdienst ist.

Welche Aktivitäten hatte Eure Gruppe durchgeführt?

Darko Brkan: Wir hatten uns an der Friedenskarawane beteiligt, die durch verschiedene Länder des Balkan ging. Sie startete im slowenischen Ljubljana und endete mit einer Aktion zum Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung, am 15. Mai 2005, in Thessaloniki. Während der zweiwöchigen Karawane gab es an den verschiedenen Orten Konzerte, Aktionen und Veranstaltungen. So konnte die Kriegsdienstverweigerung bekannter gemacht werden.

Seit drei Jahren arbeiten wir nun schon mit Aktiven aus Kroatien, Serbien & Montenegro und Mazedonien zusammen. Inzwischen gibt es auch eine Zusammenarbeit mit Leuten aus Albanien. Wir planen, im Januar in Albanien eine Kampagne für die Kriegsdienstverweigerung zu starten.

Hier beschäftigen wir uns jetzt mit der Endphase der Wehrpflicht. Wie wird der endgültige Status der Kriegsdienstverweigerer sein? Wir versuchen, im Parlament einzubringen, dass im neuen Kriegsdienstverweigerungsgesetz ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung für Berufssoldaten verankert wird.

Und dann sehen wir die Chance, nun stärker zu anderen antimilitaristischen Themen arbeiten zu können.

Kontakt

Kampanja za Prigovor Savjesti u Bosni i Hercegovini

Envera Sehovica 10/2, 71000 Sarajevo

Tel.: 00387-33-618461

http://www.prigovorbih.org


Interview mit Darko Brkan, Kampanja za Prigovor Savjesti u Bosni i Hercegovini. 29. November 2005. Die Fragen stellte Rudi Friedrich. Abschrift und Übersetzung: Thomas Stiefel. Der Beitrag erschien im Rundbrief »KDV im Krieg«, Januar 2006.



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