Förderpreises 2001
Martin-Niemöller-Stiftung 2009
No to Compulsory Military Service Movement Egypt
Bewegung Nein zum Kriegsdienstzwang Ägypten
Zum Weiterlesen
"Ich weigere mich, in der ägyptischen Armee zu dienen, und trage die Konsequenzen"KDV-Erklärung des ägyptischen Kriegsdienstverweigerers Maikel Nabil SanadIch kann gezwungen werden, meine Freiheit zu verlieren, aber ich bin nicht bereit, sie aus freiem Willen aufzugeben. Vorgestern, am 18. Oktober, wurde mir mitgeteilt, die ägyptische Militärbehörde habe definitiv beschlossen, mich als Reserveoffizier zum Militär einzuberufen. Ich soll mich kommenden Freitag, den 22. Oktober 2010, bei der für mich zuständigen Rekrutierungsstelle melden, um an die Reserveoffiziersschule in Fayed (Ismailia) verlegt zu werden und dort meinen dreijährigen militärischen Zwangsdienst anzutreten. In letzter Zeit habe ich sehr viel darüber nachgedacht, welche Entscheidung ich in dieser Situation treffen soll. Seit 2005 bin ich ein liberaler Aktivist: Ich vertrete die Ideen des Individualismus und der Freiheit des Einzelnen. Ich habe mich in Wort und Schrift vehement gegen das Militärregime vom 23. Juli 1952 gewandt. Ich habe die nationalistischen und faschistischen Vorstellungen kritisiert, von denen die ägyptische Politik beherrscht ist, seit die Militaristen an der Macht sind. Ich habe mich energisch für das Recht der ägyptischen und der israelischen Gesellschaft eingesetzt, friedlich zu koexistieren und den zwischen ihnen bestehenden Konflikt zu beenden. Ich habe mich gegen die fortgesetzten Schikanen des ägyptischen Regimes gegenüber Israel gewandt, unter anderem die ungerechtfertigte Einmischung in den Krieg von 1948, den Angriff des ägyptischen Regimes auf das Recht israelischer Schiffe, internationale Meerengen zu passieren, und seine Unterstützung von Terroristen, die an israelischen Staatsbürgern Gewalttaten begehen. Im April 2009 habe ich die Bewegung „Nein zum militärischen Zwangsdienst“ (auf Arabisch: لا للتجنيد الإجبارى) gegründet, die erste ägyptische Bewegung, die sich für Pazifismus und das Recht der Ägypter auf Kriegsdienstverweigerung einsetzt und die Auffassung vertritt, dass freiwillige Rekrutierung besser ist als Zwangsrekrutierung. Ich habe sehr viel nachgedacht, und ich gelangte zu dem Entschluss, den Militärdienst in Ägypten zu verweigern und die Konsequenzen gleich welcher Art zu tragen – obschon ich weiß, dass die Konsequenzen schwerwiegend sein werden, da ich als der erste Ägypter gelte, der den Kriegsdienst aus pazifistischer Überzeugung verweigert. Für meine Entscheidung gibt es viele Gründe:
Meine Worte bedeuten jedoch nicht, dass ich ein Militärdienstentzieher bin. Ich entziehe mich nicht, ich verweigere offen. Ich lebe unter der in meinem Ausweis angegebenen Adresse, welche der Rekrutierungs- und Mobilisierungsbehörde, der Militärpolizei und dem Geheimdienst bekannt ist. Sie ist auch als Absenderadresse auf meinen Schreiben an den Verteidigungsminister, den Premierminister, die Präsidenten beider Kammern des Parlaments und den Präsidenten der Republik angegeben. Ich verstecke mich nicht, so dass mich die ägyptische Polizei jederzeit verhaften kann, und ich bin bereit, mich der Justiz zu stellen, sobald mir mitgeteilt wird, dass ich gesucht werde. Ich möchte nur deutlich machen, dass ich nach wie vor Zivilist bin. Gemäß der ägyptischen Rechtsordnung ist man erst dann Soldat, wenn man einen Rekrutenausweis bekommen, diesen bei seiner Einheit vorgelegt und die Militäruniform angezogen hat. Nichts davon habe ich getan. Ich bin hier und betone, dass ich Zivilist bin. Ich bin nicht Mitglied der Streitkräfte geworden, und deshalb habe ich das Recht auf ein Verfahren vor einem Zivilgericht. Jeder Versuch, mich vor ein Militärgericht zu stellen, wäre eine Verletzung meiner Rechte als Zivilist. Des weiteren stelle ich fest, dass ich juristisch gesehen vom Militär abwesend und eben kein Militärdienstentzieher bin und dass es für Abwesenheit vom Militär keine gesetzliche Strafe gibt mit Ausnahme derer, dass der Betreffende, wenn er sich später einberufen lässt, ein Jahr länger dienstpflichtig ist. Folglich hat das Militär kein Recht, mich aufgrund der Tatsache, dass ich mich nicht zum angegebenen Termin rekrutieren lasse, festzunehmen oder gerichtlich zu belangen. Ich weiß, dass ich für meine Entscheidung einen sehr hohen Preis zahlen werde. Ich werde meine politischen Rechte für den Rest meines Lebens verlieren. Ich werde für lange Zeit nicht ins Ausland reisen können. Ich werde es schwer haben, Arbeit zu finden, weil ich keine Militärdienstbescheinigung habe. Ich werde ständig von der Polizei schikaniert werden. Und vor allem werde ich möglicherweise mehrmals für lange Zeit im Gefängnis landen. Aber die Freiheit hat ihren Preis, und ich bin ein freier Mensch. Ich habe nichts dagegen, den Preis für meine Freiheit zu bezahlen. Mit Opfern wie diesem wurden in Europa und Amerika große Demokratien geschaffen.
Ich freue mich, mit meinem Entschluss eine in der Geschichte Ägyptens neue Position im Verhältnis zwischen dem Militär und den ägyptischen Staatsbürgern zu begründen. Ich hoffe auf den Tag, an dem das ägyptische Militär sich in seine Kasernen zurückzieht und aufhört, sich in die Politik einzumischen, so dass Ägypten zu einem zivilen Land werden kann, in dem das Militär keine Macht über Zivilisten hat und in dem die Militärgerichtsverfahren, die Genehmigungspflicht für Reisen, die Zensur der Zeitungen und der Schutz des Militärregimes durch den Geheimdienst der Vergangenheit angehören. Ich wünsche mir, dass Ägypten eines Tages ein säkularer, liberaler Staat wird, in dem Individualismus, Frieden und die Wahlfreiheit des Einzelnen respektiert werden und dessen Armee nach den Kriterien der Professionalität und Modernität geformt wird. Maikel Nabil Sanad: I Would Not Serve in the Egyptian Army and I Bear the Consequences. 20. Oktober 2010. Übersetzung: Connection e.V. Quelle: http://www.wri-irg.org/node/11404. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe September 2011 |





